Do
20
Okt
2011
Regionalligist 120 Minuten Paroli geboten
Überraschung knapp verpasst, aber viel Anerkennung, lobende Worte und weitere Fans dazu gewonnen. Landesligist SV Zweckel unterlag gestern Abend im Achtelfinale des Westfalenpokals dem Regionalligisten SC Wiedenbrück 2000 erst nach Verlängerung und nach großen Kampf mit 1:2 (0:0, 0:0, 1:1). Als kurz vor Schluss schon alle mit einem Elfmeterschießen rechneten, schlug der Gast eiskalt zu.
Präsentiert von:
Von Raphael Wiesweg
Westfalenpokal, Achtelfinale
SV Zweckel - SC Wiedenbrück 2000 1:2 n.V. (0:0, 0:0, 1:1)
Eiskalt waren auch die Temperaturen an der Dorstener Straße. Eisige 5 Grad erwarteten die Zuschauer, vor Spielbeginn hatte der Himmel zusätzlich noch einmal seine Pforten geöffnet, so dass der Rasen rutschig und tief war und ein nasskaltes Wetter auf alle wartete. Da wussten die Spieler noch nicht, dass 120 zusätzlich kraftraubende Minuten auf sie warten würden. Sowohl die Gäste als auch die Gastgeber spielten in Bestbesetzung. Zweckel-Trainer Günter Appelt opferte Laurits Leifgen für eine etwas defensivere Spielweise: 4-4-2 mit Raute sollte das Mittel gegen den vermeintlich haushohen Favoriten lauten.
Doch der war zu Spielbeginn alles andere als überlegen. Im Gegenteil: Die Gladbecker legten los wie die Feuerwehr. Schmidt kam bereits nach 100 Sekunden zum ersten Torschuss, doch sein etwas überhasteter Schuss rutschte ihm ab und landete klar über dem Tor. Nur acht Minuten später der nächste Aufreger, der noch nach dem Spiel für viel Gesprächsstoff sorgen sollte: Abermals wurde Schmidt, der heute so etwas wie die verkappte Stoßspitze bei den Gastgebern war, steil geschickt. Der gelernte Mittelfeldspieler sprintete los und wurde von einem Wiedenbrücker Verteidiger gefoult - dachten zumindest alle, nur nicht der Schiedsrichter. Der winkte nur ab, die Emotionen kochten das erste Mal hoch. "Das war eine klare Notbremse, er hat ihn berührt, das war ein Foul, Jonas wäre sonst durch gewesen", war Appelt noch in der Halbzeitpause bedient von der Leistung des Schiedsrichters. Zweckel ließ sich zunächst nicht beirren und war weiter gefährlich. So wurde es in der 17. Minute wieder gefährlich für die Ostwestfalen, die in den ersten 20 Minuten optisch überlegen waren, doch nach vorne bis dato völlig harmlos wirkten. Doch das Blatt wendete sich und Zweckels Torwart Grüger musste in den folgenden 25 Minuten bis zur Halbzeit gleich mehrmals sein ganzes Können aufweisen, um sein Team im Spiel zu halten. Dabei waren es aber vor allem immer nur Distanzschüsse der Wiedenbrücker, die aus dem Spiel heraus keine zündenden Ideen hatten.
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"Den trifft der so auch nur einmal in seinem Leben"
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Zu allem Überfluss musste Appelt bereits nach 36 Minuten verletzungsbedingt wechseln. Zoladz zog sich eine Zerrung zu, der junge Haubold kam früh zu seinem Einsatz, fand die restlichen 84 Minuten aber nie richtig ins Spiel. Viele unschöne Fouls der Gäste zum Ende der ersten Halbzeit prägten eine hektische Schlussphase in Hälfte Eins. Das Toreschießen vergaßen die Mannschaften - nicht nur in den ersten 45 Minuten.
Zweite Halbzeit verflachte
Immerhin zappelte der Ball in den ersten 90 Minuten dann doch einmal im Netz. Doch als der SC Wiedenbrück in der 54. Minute zum vermeintlichen 0:1 einschob, sah der Schiedsrichter-Assistent den Stürmer vorher richtig im Abseits. So blieb es also beim 0:0 und in der gesamten zweiten Halbzeit verlachte das Spiel zunehmends. Große Chancen blieben auf beiden Seiten Mangelware. Wer allerdings dachte, dass der SVZ nicht mehr genügend Kraftreserven hätte, sah sich getäuscht. Zwar versuchte man es sehr oft mit langen Bällen und weniger mit dem bekannten Kurzpass-Spiel, doch viel mehr als optische Überlegenheit fiel dem Regionalligisten aus Ostwestfalen im Gegenzug auch nicht ein. Zwischenzeitlich wirkte es sogar konzeptlos, was sich aber in der Verlängerung änderte.
Wie verwandelt starteten die Gäste in die erste Halbzeit der Verlängerung und bauten sehr viel Druck auf. Zweckel kam nicht mehr aus der eigenen Hälfte, das 0:1 war dann die schon fast logische Konsequenz. "Den trifft der aber auch nur einmal so in seinem Leben", so der süffisante Kommentar von Ulrich Wloch (1. Vorsitzender SV Zweckel, d. Red.) nach dem Spiel zu dem Distanzschuss des Wiedenbrückers, der sich tatsächlich sehr schön angucken ließ von außen - ein Sonntagsschuss, wie er im Bilderbuch steht. Doch Zweckel steckte zum Erstaunen des gesamten Stadions nicht auf und kam nur wenige Minuten später zum verdienten Ausgleich. Wieder ein langer Ball auf Schmidt, der Glück hatte, als der Ball noch auf seinem Rücken landete, wodurch der herausstürzende Torwart von Wiedenbrück auch irritiert wurde. Schmidt hatte nun leichtes Spiel, umkurvte Hölscher und musste nur noch ins leere Tor einschieben. Der Jubel kannte keine Grenzen, sogar die Ersatzspieler von Zweckel stürmten aufs Feld, die gesamte Mannschaft feierte den Ausgleich wie einen Sieg. Und als sich fast alle schon auf das Elfmeterschießen an dem langen und kalten Abend freuten, schlug der eingewechselte Kniat vom SVW eiskalt zu: Nach einer Flanke köpfte der Einwechselspieler Tietz zum 1:2 aus Sicht der Zweckler ein. In den letzten Minuten warf der Landesligst alles nach vorne, verzeichnete aber keine Großchance mehr.
Dennoch: Dem SV Zweckel gebührt Hochachtung vor dieser Leistung. Sicherlich spielte der Gast auch nicht seinen besten Fußball, doch der SVZ war auch ein unbequemer Gegner auf gutem Niveau. Spieler des Spiels war Nicolai Striewe vom SV Zweckel, der, wenn es nach Kilometergeld gehen würde, für sein restliches Leben ausgesorgt hätte. Striewe war überall zu finden und gewann im gesamten Spiel fast jeden Zweikampf. Er hätte seine sehr gute Leistung nur noch mit einem Tor krönen müssen, dann wäre es ein perfekter Abend gewesen - für Striewe und für Zweckel.
SV Zweckel: Grüger - Koch, J. Poloczek, M. Poloczek, Ucar - Hermans (76. Leifgen), Striewe, Badur (91. Ogaza) , Zoladz (36. Haubold) - Trampe, Schmidt
SC Wiedenbrück: Hölscher - Boachie, Halstenberg, Starostzik, Mainka, Tietz, Dayangan (103. Kniat), Aosman, Krause (60. Bulut), Jansen (68. Thöle)
Tore: 0:1 Matthias Tietz (93.), 1:1 Jonas Schmidt (100.), 1:2 Michel Kniat (117.)
Schiedsrichter: Kilian Gochermann (Bochum)
Zuschauer: 200
Stimmen zum Spiel:
Günter Appelt, Trainer SV Zweckel:
"Nach so einem Spiel überwiegt erst einmal die Enttäuschung. Wir waren nicht schlechter und haben unverdient verloren. Die Jungs haben ihre Sache gut gemacht, waren nur nicht bis zur letzten
Sekunde konzentriert. Ich habe heute keinen Unterschied zwischen einem Regionalligisten und einem Landesligisten gesehen. Wir können stolz sein auf das, was wir geleistet haben. Jetzt heißt es
nach den langen 120 Minuten auf einem tiefen Boden schnell zu regenerieren, wir haben Sonntag ein schweres Auswärtsspiel in Recklinghausen."
Ulrich Wloch, 1. Vorsitzender SV Zweckel:
"Kompliment an die Mannschaft, vor allem, dass sie nach dem 0:1 noch einmal zurückgekommen ist. Das verdient höchste Anerkennung, damit hätte ich selbst nicht mehr gerechnet. Dass ein
Regionalligist gegen einen Landesligisten in einigen Szenen spritziger bzw. engergischer im Spielaufbau wirkt bzw. beliebig den Druck erhöhen kann, ist nicht überraschend gewesen. Ich hatte aber
schon fest mit einem Elfmeterschießen gerechnet, das 1:2 darf dann nicht mehr fallen. Im Elfmeterschießen hätten wir dann eine große Chance gehabt, weiterzukommen. Ich will die Niederlage auch
nicht auf den Schiedsrichter schieben. Aber in allen strittigen Situationen hat er immer gegen uns gepfiffen. Er hat in meinen Augen keine gute Leistung gezeigt. Trotz alledem ist es klasse, was
wir erreicht haben."
Werner Gloddeck, Geschäftsführer SV Zweckel:
"Ich fühle mich jetzt direkt nach dem Spiel ziemlich leer und bin auch schon traurig. Wir waren nah dran an der Überraschung. Ich war gedanklich schon beim Elfmeterschießen, als wir uns noch
kurz vor Schluss das 1:2 fangen. Die Jungs haben aber ein super Spiel abgeliefert. Ich möchte mich auch noch einmal bei Auf'm Platz für die Unterstützung und die Berichterstattung bedanken, ihr
macht wirklich einen super Job."
Bernhard Hartmann, Geschäftsführer SC Wiedenbrück 2000:
"Kompliment an den SV Zweckel. Es wurde das erwartet schwere Spiel und wir können uns glücklich schätzen, gewonnen zu haben. Wir haben das Spiel nicht auf die leichte Schulter genommen und
haben mit der besten Elf gespielt. Wir tun uns aber komischerweise in Pokalspielen immer schwer, ich weiß auch nicht warum. Aber das war letzte Saison schon so und jetzt auch wieder. Mit dieser
Leistung müsste Zweckel in dieser Saison aufsteigen, man hat nicht immer einen Klassenunterschied von drei Ligen gesehen. Ich bin erleichtert, dass wir es heute geschafft
haben."
Eberhard Fuchs, Co-Trainer SV Zweckel:
"Klar, wir haben vor dem Spiel schon von einer kleinen Überraschung geträumt, auch wenn der Fokus auf der Meisterschaft liegt. Wir wollten das gerne als Bonbon mitnehmen und standen auch kurz
davor, weiterzukommen. Jetzt sind alle ziemlich geknickt und enttäuscht, kein Wunder, schließlich standen wir kurz davor uns bis ins Elfmeterschießen zu spielen. Jetzt herrscht erst einmal Leere
vor. Die Jungs haben sich für ihr gutes Spiel leider nicht belohnt."
Waldemar Bahl, Zeugwart SV Zweckel:
"Ich glaub man kann uns durchaus gratulieren zu einem guten Spiel, denn das war es doch. Wer hätte vor dem Spiel gedacht, dass wir mit einem Regionalligisten 120 Minuten mithalten können?
Klar, die Enttäuschung überwiegt, aber ich glaub wir sollten das Positive mitnehmen, auch, wenn es wirklich sehr schade ist, dass wir so knapp, so spät und so tragisch gescheitert
sind."
Jonas Schmidt, Spieler SV Zweckel:
"Ich hätte vielleicht auch noch das ein oder andere Tor machen müssen. Aber das hätte am Anfang des Spiels sofort Rot für den Gegner geben müssen. Ich bin nicht ausgerutscht und habe keine
Schwalbe gemacht, das hab ich einfach nicht. Ich wurde gefoult, hab noch versucht mich zu fangen und bin aber ins Straucheln gekommen und bin dann gefallen. Ich wäre durch gewesen, das war eine
Notbremse. Wer weiß schon, wie das Spiel dann weitergegangen wäre, wenn Wiedenbrück ab der 10. Minute mit einem Mann weniger hätte spielen müssen?"







